Progressive Rock – ein Extra-Special

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  • Zur Sendung vom 27. Februar 2020


    Es mußte also etwas Neues her. Diese neue Musik, die Anspruch und Spaß verbinden konnte, wurde auf der Basis des Rock'n'Roll entwickelt. Erste Ansätze zu einer intellektuelleren Rockmusik sind schon im Spätwerk der Beatles (etwa ab 1966) zu erkennen; in der Hauptsache waren es jedoch neugegeründete Bands, die den Rock'n'Roll zu einer "erwachsenen", anspruchsvollen Musik umformten. Sie sprengten den Rahmen des Songs, entlehnten komplexere Formen aus akademischer Musik (eher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als der Gegenwart), Jazz und bisweilen auch "exotischen" Musikkulturen (vor allem indische Musik stand hoch im Kurs, wobei die Komplexität der traditionellen indischen Musik aber kaum ausgelotet, sondern meistens im Grunde genommen nur westliche Musik auf einer Sitar gespielt wurde).


    Die traditionelle Rockbesetzung aus Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug wurde erweitert, vor allem um elektronische Tasteninstrumente. Die Texte wurden anspruchsvoller und thematisch vielfältiger und brachten die progressive Geisteshaltung der Alternativkultur zum Ausdruck. Der Progressive Rock (die Bezeichnung wurde von Musikjournalisten und -industrie geprägt) war geboren.


    Vorreiter in dieser Entwicklung war Großbritannien, doch fand die neue Musik bald auch den Weg über den Ärmelkanal und den Atlantik. Anfangs war der Progressive Rock eine "Studentenmusik", doch etwa ab 1969 wurde Progressive Rock zu einer der populärsten Richtungen der Rockmusik. Die Konzerte wurden immer größer, die Verkaufszahlen der Platten (fast ausschließlich Langspielplatten; die Single mit ihrem engen Zeitrahmen spielte im Progressive Rock keine große Rolle) stiegen ebenfalls. Von der Musikpresse wurde der Progressive Rock oft in höchsten Tönen gelobt und als "klassiche Musik der Zukunft" angepriesen. Der Progressive Rock strahlte auch auf andere Musikrichtungen aus.


    Das Echo war allerdings geteilt. Der Progressive Rock hatte auch seine vehementen Gegner, die darin einen Verrat am "reinen" Rock'n'Roll sahen, und "puristischere" Formen wie Blues oder Hardrock favorisierten. Überhaupt darf man nicht vergessen, dass Progressive Rock in den frühen 70er Jahren zwar sehr populär und kommerziell erfolgreich, aber keineswegs die dominante oder auch nur populärste Musikrichtung war. Die größten Verkaufserfolge fuhren schon damals anspruchslose Pop-Produktionen ein; auch andere Spielarten der Rockmusik waren nicht minder populär als der Progressive Rock.

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